29 Aralık 2007 Cumartesi

DIE DURCHFÜHRUNG DER UMSIEDLUNG

Entsprechend der Verordnungen, welche die Umsetzung des Umsiedlungsgesetzes vom 27. Mai 1915 formulierten, wurden armenische Kolonnen, die in andere Gebiete umgesiedelt werden, sollten in Zentren, wie Konya, Diyarbakir, Cizre, Birecik und Aleppo versammelt.

Für die Sicherheit der Menschen wurden möglichst leicht zu hinterlegende und sichere Routen gewählt. So wurden Armenier aus Kayseri und Samsun über Malatya, aus Sivas, Mamuretülaziz, Erzurum und Umgebung über die Route Diyarbakir- Cizre nach Mousul geschickt. (1) Im Falle einer möglichen Störung der Ordnung in Sandschaks wegen der großen Menschenmenge, wich man zeitweilig auch von den vorgesehenen Routen ab. (2) Die von Urfa über Resülayn und Nusaybin zu reisenden Kolonnen wurden wegen möglicher Angriffe der arabischen Stämme über Siverek verlegt. (3)

Die Kolonnen aus Westanatolien dagegen wurden über Kütahya, Karahisar, Konya, Karaman, Tarsus, Kars-i Maras-Pazarcik nach Zor verlegt. (4) Bei der Auswahl dieser Routen hat man darauf geachtet, dass Eisenbahnverbindungen, sowie Flussboote vorhanden waren. Denn die sicherste Überführung sollte per Eisenbahn und per Boote stattfinden. So wurden fast alle Kolonnen aus Westanatolien mit der Bahn verlegt. (5) Die Siedler, die über Cizre verlegt wurden, benutzten die Bahn, sowie die "sahtur (Schachtur)" genannten Flussboote. (6) An Orten, zu denen keine Eisenbahn- und Flussverbindung bestand, wurden die Kolonnen auf Reittieren und in Fahrzeugen in bestimmten Zentren versammelt und fuhren von hier aus mit der Bahn weiter.

Ungeachtet des anhaltenden Kriegszustands gab sich der Osmanische Staat große Mühe, um die Umsiedler sicher, bequem und gesund verlegen zu können. Der Staat war gezwungen, an die Fronten ständig Soldaten und Nahrungsmittel zu schicken. Es mangelte an Fahrzeugen, die den Umsiedlern zur Verfügung gestellt werden konnten. Aus diesem Grund versammelten sich an manchen Stationen große Menschenmengen. Mangelnde Fahrzeuge führten zu zeitweiligen Problemen bei der Überlieferung (7). Wegen der Erntezeit war es sehr schwer, Fahrzeuge und Reittiere zu finden. (8) Trotz dieser schweren Umstände und den begrenzten Möglichkeiten, konnte die Osmanische Regierung, ordnungsmäßig die Armenier in ihre neuen Siedlungsgebiete verlegen.

Der amerikanische Konsul in Mersin Edward Natan betonte in seinem am 30. August 1915 an den Botschafter Morgenthau geschickten Bericht folgendes: "Die Route zwischen Tarsus und Adana ist voll von Armeniern. Ungeachtet der Schwierigkeiten wegen der großen Menschenmenge leitet die Regierung diese Tätigkeit sehr ordnungsgemäß. Gewalt und Unordnung haben hier keinen Platz. Die Umsiedler erhalten genügend Fahrkarten und Bedürftigen wird geholfen." (9)

QUELLE:

Halacoglu, Yusuf: Ermeni Tehcirine Dair Gercekler (1915), TTK Veröffentlichung, Ankara, 2001.

FUSSNOTE:

1) Sifre Kalemi- Nr. 54-A/157, Nr. 56/280, Nr. 56/387.

2) Sifre Kalemi- Nr. 56/278, Nr. 56/280, Nr. 56/388.

3) Sifre Kalemi- Nr. 57/277.

4) Sifre Kalemi- Nr. 65/95.

5) DH. EUM. 2. Abteilung, 68/99, 2. Abteilung, 68/94, 2. Abteilung, 68/81; 2. Abteilung, 68/67, 2. Abteilung, 68/96.

6) DH. EUM. 2. Abteilung, 68/101.

7) z.B. Sifre Kalemi- Nr. 54-A/393.

8) Sifre Kalemi- Nr. 54-A/59, Nr. 54-A/96.

9) EUM, Dossier 2D/13 (siehe Dokument 664)

DAS UMSIEDLUNGSGESETZ

Das als "Umsiedlungsgesetz" bekannte, während des Krieges der türkischen Armee zur Verhinderung der Aufstände hinter der Front durchgeführte Maßnahme, ist eigentlich ein vorübergehendes Gesetz, das "Maßnahmen gegen Kreise umfasste, die während des Krieges sich gegen die Durchführungen der Regierung einsetzten." Das Gesetz wurde am 25. Mai 1915 verabschiedet. (11) Es erschien am 1. Juni 1915 im amtlichen Blatt, - damals Takvim-i Vekayi genannt und trat somit in Kraft. (12)

Der 1. Artikel des Gesetzes befugte die Kommandanten der Armee, Armeekorps und der Divisionen zu Ergreifung von militärischen Sofortmaßnahmen und gegebenenfalls zur Vernichtung der Reaktionäre, die sich gegen die Ausführung der Befehle der Regierung, gegen die Verteidigung des Landes und gegen die Wahrung der Ruhe einsetzten, bewaffnete Angriffe verübten oder Widerstand leisteten.

Mit einem am 10. Juni 1915 veröffentlichten Befehl (13) wurde das Besitztum der umgesiedelten Armenier unter Schutz genommen. Es wurde die "Kommission für zurückgelassene Güter" gegründet, die aus einem Vorsitzenden, sowie jeweils aus einem Finanz- und Verwaltungsbeamten bestand. Die Kommissionen registrierten detailliert das Besitztum der Armenier in den geräumten Dörfern und Ortschaften. Eine Kopie des Registers wurde in der regionalen Kirche und eine weitere Kopie an die Verwaltungsbehörde übergeben. Unerhaltbare Güter, sowie Tiere wurden versteigert. Das Geld wurde aufbewahrt. In Orten, wo keine Kommissionen eintrafen, übernahmen Verwaltungsbeamten diese Aufgabe. Für den Schutz der Immobilien bis zur Rückkehr der Armenier waren, sowohl die Kommission, als auch die Verwaltung verantwortlich.

Wie aus dem Gesetz vom 27. Mai 1915 sowie aus den Befehlen vom 10. Juni 1915 zu entnehmen ist, umfasste die von Talat Pascha eingeleitete und durch die Zustimmung des Parlaments fortgesetzte Umsiedlung ausschließlich Gebiete, "die die Sicherheit der Fronten direkt bedrohten". Das erste Gebiet machten Erzurum, Van, Bitlis und Umgebung aus, welche den hinteren Teil der kaukasischen und iranischen Front bildeten. Das zweite Gebiet umfasste Mersin, Iskenderun und Umgebung, die den hinteren Teil der Sina Front ausmachten. In beiden Gebieten hatten die Armenier mit den Feinden kollaboriert und ihnen geholfen.

Zudem ist das Gesetz, das "die von militärischen Einheiten gegen Reaktionäre während des Krieges zu fassenden Maßnahmen" vorsah, gleichzeitig war es ein Gesetz über Vollmachten zum Schutz des Staates und der Gesetze. Die wichtigste Eigenschaft des Gesetzes war, dass darin eine "ethnische Gruppe weder erwähnt noch angedeutet" worden war. Im Rahmen des Gesetzes wurden moslemische, griechische und armenischstämmige osmanische Staatsbürger von ihren Lebensorten zu anderen Orten umgesiedelt. Aus diesem Grund beruht die Behauptung, wonach dieses als Umsiedlungsgesetz bekanntes Gesetz nur gegen ein bestimmtes Volk gerichtet sei, entweder auf Fehlinformation oder ist absichtlich auf die Tagesordnung gebracht worden... (14)

QUELLE:

Halacoglu, Yusuf: Ermeni Tehcirine Dair Gercekler (1915), TTK Veröffentlichung, Ankara, 2001.

FUSSNOTE

11) Bayur, gleiches Werk, III/3, S. 40, Gürün, gleiches Werk, 214

12) Takvim-i Vekayi, 18 Recep 1333 / 19. Mai 1331, 7. Jahr, Nr. 2189, Y. H. Bayur,

gleiches Werk, III/3, S. 40

13) ATBD, Dezember 1982, Nr. 81, Dokument1832.

14) Yildirim, Hüsamettin: Ermeni Iddialarý ve Gercekler, Ankara, 2000, S. 21

DAS TELEGRAMM DAS TALAT PASCHA ZUGESCHRIEBEN WURDE

Eine der wichtigsten Behauptungen der Armenier im Zusammenhang mit der Umsiedlung ist dem Talat Pascha zugeschriebenes Telegramm, in dem er die Massakrierung der Armenier befohlen haben soll. Talat Pascha brachte dagegen bei jeder Gelegenheit zur Sprache, dass die, gegen die Armenier getroffenen Maßnahmen keinesfalls die Ausrottung der Armenier zum Ziel hatte. Einen offenen Beweis dafür bildet das chiffrierte Telegramm von Talat Pascha, das er am 29. August 1915 an die Gouverneure und Vorsteher von Hüdavendigar, Ankara, Konza, Izmit, Adana, Maras, Urfa, Aleppo, Zor, Sivas, Kütahya, Karesi, Nigde, Mamuretülaziz, Diyarbakir, Karahisar-i Sahib, Erzurum und Kayseri schickte. Darin hieß es: (1)

"Bei der Umsiedlung der Armenier von ihren bisherigen Lebensorten in neue Gebiete hat die Regierung das Ziel, die Armenier an ihren, gegen die Regierung gerichteten Aktivitäten, sowie an ihrem nationalen Vorhaben zur Gründung einer armenischen Regierung zu hindern. Die Vernichtung dieser Menschen kommt nicht in Frage. Außerdem müssen bei der Umsiedlung die Sicherheit der Umsiedler gewährleistet, sowie jegliche Verpflegungskosten aus den staatlichen Ausgaben gedeckt werden. Die Armenier, die nicht umgesiedelt werden, dürfen ihre jeweiligen Orte künftig nicht verlassen. Wie auch zuvor mitgeteilt, beschloss die Regierung, Familien der Soldaten, Künstler in bestimmten Zahlen, protestantische und katholische Armenier, nicht umzusiedeln. Gegen diejenigen, die armenische Kolonnen angreifen oder gegen Gendarmen und Beamten, die bei möglichen Angriffen eine anführende Rolle spielen sollten, müssen sehr harte gesetzliche Maßnahmen getroffen werden. Solche Personen müssen sofort aus dem offiziellen Dienst entlassen und zum Kriegsgericht ausgestellt werden. Bei einer Wiederholung solcher Vorfälle werden die Provinzen und Sandschaks zur Verantwortung gezogen"

In einer chiffrierten Botschaft, die am 27. Mai 1915 nach Ankara geschickt wurde, heißt es: "Die von der Regierung gegen die Armenier gefassten Maßnahmen stützen sich ausschließlich auf die Gewährleistung der Ruhe und Ordnung des Landes und sind zum Schutz des Staates getroffen worden. Ein Zeichen dafür, dass die Regierung keine Vernichtungspolitik gegen die Armenier betreibt ist, dass die katholischen und protestantischen Armenier, die bislang unparteiisch geblieben sind, von der Maßnahme ausgeschlossen sind." (2)

Auf der anderen Seite wurden die Äußerungen über die Verbannung von anführenden Komiteemitgliedern und Reaktionären, in der Verordnung der Regierung an manchen Orten missverstanden. So wurden armenische Banden in Orte verlegt, wo sie ihre Tätigkeiten leichter fortsetzen konnten. Darauf hin entsandte Talat Pascha am 1. Juni 1915 an alle Präfekturen eine Verordnung und befahl darin, solche Armenier in Orte zu verlegen, wo sie ihre Tätigkeiten nicht mehr fortsetzen können. Talat Pascha unterstrich ausdrücklich, dass die Verbannung nur für aufständische und reaktionäre Armenier gilt. (3)

In einer chiffrierten Botschaft vom 13. Juni 1915 an die Provinz Mamuretülaziz wurde betont, dass neben den, dem Kriegsgericht ausgelieferten Armeniern, die umzusiedelnden Armenier an geeigneten Stellen der Provinz untergebracht werden sollen und ihre Verlegung nach Mousul zunächst nicht notwendig ist. (4)

In einer chiffrierten Botschaft, die am 14. Juni 1915 an die Provinzen Erzurum, Diyarbakir, Mamuretülaziz und Bitlis entsandt wurde, wurden die Behörden aufgefordert, das Leben der Armenier während der Umsiedlung zu schützen. Die Behörden dürften gegen Flüchtige und Angreifer vorgehen. Doch das Volk dürfe keinesfalls in solche Vorfälle verwickelt werden. Es dürfe keineswegs zu einer Auseinandersetzung zwischen Armeniern und Moslems kommen.

Und zum Telegramm, dass angeblich ein Massaker befohlen haben soll: (5)

Der Armenier Aram Andonian, veröffentlichte im Jahre 1920 in London das Buch unter dem Titel "Memoiren von Naim Bey / Offizielle türkische Dokumente über Zwangsumsiedlung und Massaker an Armeniern" worin er dieses Thema anschnitt. Dieses Buch erschien später in Paris unter dem Titel "Offizielle Dokumente über das Massaker an Armeniern", sowie in Boston unter dem Titel "Großes Verbrechen, das jüngste Massaker an Armeniern und Talat Pascha, originelle offizielle Telegramme mit Unterschriften."

Das in diesem Buch als Beweis gezeigtes, angebliches Telegramm von Talat Pascha ist ein gefälschtes Papier. Nach Untersuchungen bewiesen Sinasi Orel und Süreyya Yuca, dass es sich bei diesem Telegramm um ein gefälschtes Dokument handelt. So stellte sich heraus, "dass es eine Person mit dem Naim Bey, von dem die Dokumente erhalten worden seien, niemals im Wohnungsamt in Aleppo gegeben hat, dass die Dokumente authentisch und das Papier nicht aus der gleichen Art der Papiere war, welche der Osmanische Staat bei den offiziellen Schreiben benutzte, dass es die Originalen dieser Dokumente unter den Dokumenten des Innenministeriums im Archiv des Ministerpraesidiums gar nicht gibt, dass unter den angegebenen Registernummern der gefälschten Dokumente, ganz andere Dokumente vorhanden sind, dass bei Zeitrechnungen nach Hedschra und nach dem christlichen Kalender Fehler gemacht worden sind, dass die Unterschriften gefälscht sind, und dass es in den Dokumenten Rechtsschreibfehler gibt, die im Osmanischen niemals vorkommen können."

Ungeachtet der Behauptungen, wonach sich "die angegebenen originalen Dokumente im armenischen Büro in Manchester befinden", hat man bislang diese Dokumente nicht der Weltöffentlichkeit gezeigt. Außerdem stützen sich die Behauptungen auf "einen Bericht des armenischen Verbands in Aleppo aus der osmanischen Zeit."

All dies ist wichtig um zu zeigen, in welchen Massen die Behauptungen über Völkermord an Armeniern unwahr sind.

QUELLE:

Halacoglu, Yusuf: Ermeni Tehcirine Dair Gercekler (1915), TTK Veröffentlichung, Ankara, 2001.

FUSSNOTE

1) DH. EUM. 2. Abteilung, 68/80.

2) DH. EUM. 2. Abteilung, 68/71. 2.Sube, 68/84 ( siehe Dokument 192, 200)

3) DH. EUM. 2. Abteilung, 68/101. ( siehe Dokument 217)

4) 26.064 Armenier in Aleppo, dessen Umsiedlung vorgesehen war, wurden nicht umgesiedelt. Denn die Armenier in den neuen Umsiedlungsgebieten stammen aus Anatolien. Auf der anderen Seite wurde die Zahl nach Aleppo umgesiedelten Armenier als um die 100.000 angegeben (siehe DH.EUM. 2. Abteilung, 68/80), dagegen genau als 100.000 registriert.

OREL, Sinasi, SÜREYYA, Yuca: Ermenilerce Talat Pasa'ya Atfedilen Telgrafýn Gercek Yüzü, TTK Veröffentlichung, Ankara, 1983

WAS BEDEUTET UMSİEDLUNG

Das Wort tehcir, also die Umsiedlung, kommt aus der arabischen Sprache und bedeutet "von einem Ort zu einem anderen Ort umziehen, anderswo ansiedeln, ansässig machen
( Emigration) ". Es bedeutet nicht "Verbannung" oder "Deportation". Das "Umsiedungsgesetz" ist eigentlich ein vorübergehendes Gesetz, das "Maßnahmen gegen Kreise umfasste, die während des Krieges sich gegen die Durchführungen der Regierung einsetzten." Das Wort überführen, das bei der Beschreibung dieser gesetzlich vorgenommenen Umsiedlung, entspricht den Begriffen der westlichen Sprachen wie "Deportation", "Exil" oder "Verbannung".

Die von Talat Pascha begonnene, mit der Zustimmung der Regierung und des Parlaments fortgesetzte Umsiedlung, die als Maßnahme gegen armenische Aufstände und Massaker, vor allem in Van umgesetzt wurde, umfasste direkt die Gebiete, welche die Sicherheit der Kriegsfronten bedrohten. Das erste Gebiet machten Erzurum, Van, Bitlis und Umgebung aus, welche den hinteren Teil der kaukasischen und iranischen Front bildeten. Das zweite Gebiet umfasste Mersin, Iskenderun und Umgebung, die den hinteren Teil der Sina Front ausmachten. In beiden Gebieten hatten die Armenier mit den Feinden kollaboriert und ihnen geholfen.

Die Umsiedlung wurde später so erweitert, dass diese Maßnahme die Aufständischen, Kollaborateure, Mitglieder und Anhänger der armenischen Komitees sowie die Armenier in anderen Provinzen umfasste. Zuerst waren die katholischen und protestantischen Armenier von der Umsiedlung ausgeschlossen. Doch später wurden auch katholische und protestantische Reaktionäre umgesiedelt.

Seit der Umsiedlung von 1915 wurde darüber viel geschrieben und gesprochen. Die Armenier konnten mit gefälschten Dokumente die Weltöffentlichkeit über Jahre täuschen. Die Geschichten über Massaker an Armeniern, deren Zahl mit 300 Tausend begann und im Laufe der Zeit bis auf 3 Millionen gesteigert wurde, entbehren jeder Grundlage. So konnten Engländer und Franzosen, die während der Besetzung Ýstanbuls die osmanischen Archive ausführlich untersuchten, aber kein einziges Dokument finden, das auf einen Völkermord hindeuten könnte.

Hätte der Osmanische Staat ein "Völkermord" an Armeniern begehen wollen, würde er dann dies nicht auch an ihren Wohnorten durchführen können? Wieso hat man dafür eine "Umsiedlung" gebraucht? Warum hat man große Kosten für die Sicherheit, Gesundheit und Ernährung der Kolonnen tragen müssen? War es notwendig, dass der Osmanische Staat während der rund 1,5 Jahre andauernden Umsiedlung zwischen Mai 1915 und Oktober 1916, mit Befehlen und Anordnungen, trotz der schweren Kriegsumstände, das Leben und das Besitztum der Armenier unter Garantie nahm? Warum hat der Osmanische Staat die Militärische- Finanzielle- und Verwaltungslast auf sich genommen, als hätte er eine neue Front eröffnet?

Die Antworten auf diese Fragen legen das eigentliche Ziel des Osmanischen Staates dar. Es gibt auch keine glaubwürdige Erklärung dafür, warum der Osmanische Staat plötzlich seine Meinung über die Armenier gänzlich ändern sollte, die er wegen ihrer über Jahrhunderte anhaltenden Treue zum Staat als "Treue Nation" bezeichnete.

Die Umsiedlung der Armenier hatte nicht ihre Ausrottung, sondern die Gewährleistung der Sicherheit des Staates und der Armenier zum Ziel und war weltweit die erfolgreichste Umsiedlung.

QUELLE:

Halacoglu, Yusuf: Ermeni Tehcirine Dair Gercekler (1915), TTK Veröffentlichung, Ankara, 2001.

24. APRIL 1915

Die Osmanische Regierung hat sich gegenüber den Aufständen und Massakern, die durch die Russen und Briten aufgehetzt wurden, damit zufriedengegeben dem armenischen Erzbischof, den armenischen Abgeordneten und den führenden Persönlichkeiten der armenischen Gesellschaft mitzuteilen, dass "wenn die Armenier damit fortfahren den Muslimen in den Rücken zu fallen und sie weiterhin umbringen, die nötigen Maßnahmen getroffen werden." Allerdings entstand auf Grund dessen, dass die Ereignisse, anstatt an Intensität zu verlieren, immer intensiver wurden und die Armee an mehreren Fronten zugleich Kämpfen musste, entstand der Bedarf den Bereich hinter der Front zu sichern.

Mit dieser Absicht wurden am 24. April 1915 die armenischen Komitees geschlossen und 2345 Führungskräfte unter dem Verdacht in Machenschaften gegen den Staat verwickelt zu sein, verhaftet. Nach diesem Vorgehen der Osmanischen Regierung schickte der Ecmiyazin Katholikos Kevrok dem US-Präsidenten folgendes Telegramm:
"Sehr geehrter Herr Präsident, den letzten Nachrichten zufolge, die wir aus dem türkischen Armenien erhalten haben, hat dort ein Massaker begonnen und ein organisiertes Schreckensregiment bedroht die Existenz des armenischen Volkes. In dieser kritischen Stunde appelliere ich an die edlen Gefühle eurer Exzellenz und des großen amerikanischen Volkes und bitte Sie im Namen der Menschheit und des Christentums darum, mittels diplomatischer Repräsentanten Ihrer großen Republik, sofort einzugreifen und meinem Volk in der Türkei, dass der Gewalt des türkischen Fanatismus ausgesetzt ist, zu helfen."

Kevork, Erzbischof und alle armenischen Katholiken

Dem Telegramm des Erzbischofs Kevork folgten die Kontakte des russischen Botschafters in Washington. Dabei ist das, was geschah, war nur die Schließung der armenischen Komitees und die Verhaftung ihrer Anführer. Die Armenier allerdings versuchten das Ganze als ein Massaker darzustellen und die USA und die Russen, sowie verschiedene Kolonialstaaten auf ihre Seite zu bringen.

Der 24. April, an dem die Diaspora- Armenier, an den "Jahrestag des armenischen Völkermordes" gedenken, ist nichts anderes als das Datum, an dem die Mitglieder des Komitees, verhaftet wurden.



Quellen:
Gürün, Kamuran: Ermeni Dosyasi, TTK Basimevi, Ankara, 1983, s. 210-211.

DIE UNTERDRÜCKUNG DER ARMENIER GEGENÜBER DEN ARMENIERN

Die aufständischen Armenier haben nicht nur die Türken massakriert, sondern gleichzeitig auch Armenier in verschiedenen Weisen unterdrückt, dessen Zustand ihnen verdächtig vorkam und von denen man vermutete, dass sie auf der Seite der Türken standen.

Nach der Kumkapi- Demonstration im Jahre 1890 begann das Hintschak- Komitee, auf verdächtige Armenier, die vermutlich auf der Seite der Regierung standen, verschiedene Attentate zu verüben.

Der Rechtsanwalt Hacik wurde von einem 15 jährigen Armenier, Namens Armenak ermordet.

Dacad Vartabet, der Prediger der Gedikpascha- Kirche wurde zerstückelt.

Auf Mampre Vartabet, einem Mitglied der Synode, wurde unter dem Verdacht der Agententätigkeit für die Regierung, ein Attentatsversuch verübt, bei dem er verletzt entkam.

Man verdächtigte den Patriarchen Asikyan damit, er habe die Pläne des Komitees der Regierung gezeigt. Durch eine Verlosung wurde der Junge Armenier, Agop, aus Diyarbakir, zum Attentäter ernannt. Er sollte am 28. März 1894 in der Patriarchat-Kirche ein Attentat auf Asikyan verüben. Da aber die Pistole des Typs Karadag des Attentäters zum Zeitpunkt des Attentates nicht funktionierte, wurde der junge Armenier verhaftet.

Am 10. Mai 1894 verübte das Hintschak- Komitee auch auf Simon Maksut, einem Freund von Asikyan in Galata vor der Havyar Karawanserei ein Attentat.

Über diese Attentate berichtete der französische Botschafter Monsieur Cambon am 27. März 1894 an das französische Außenministerium wie folgend:

"Von Cambon an Casimir Perier

Beyoglu, 27. März 1894

Als der Patriarch Asikyan letzten Sonntag nach dem Gottesdienst die Kumkapi- Kirche verließ, um zum Patriarchat zurückzukehren, hat ein um die 18 Jahre alter Jugendlicher auf ihn gezielt und einige Male geschossen. Da die Pistole nicht funktionstüchtig war, wurde der Patriarch nicht verletzt. Der Patriarch fiel in Ohnmacht und wurde zu Hause behandelt. Der junge Armenier wurde zur Polizeiwache gebracht und als man ihn nach dem Motiv für seinen Mordversuch fragte, sagte er, dass Asikyan der Feind der Armenier ist, dass der Patriarch der Regierung des öfteren Berichte erstattet und dass die Armenier geschworen haben, das Volk von diesem Mann zu befreien. Gleichzeitig erklärte er, dass er und seine Konfessionisten dem Padischach treu seien.

Cambon"

Monsieur Cambon schrieb in seiner Botschaft vom 3. Juni 1894 folgendes:

"Von Cambon an den Außenminister Hanotaux

Beyoglu, 3. Juni 1894

In den vergangenen Tagen wurde in Istanbul auf einen Angehörigen der armenischen Gesellschaft ein Attentat verübt. Diese, heute nicht mehr in Gefahr stehende Person ist der Türsteher des Patriarchats oder der Hauptübersetzer, ein wohlhabender Bankier, einer der Bauunternehmer des Kriegsministeriums, Simon Maksud. Herr Maksud, Mitglied des Volksparlaments des Partiarchats ist schon seit langer Zeit unter seinen Konfessionsangehörigen als ein an die Türken verkaufter Verräter bekannt. Als im letzten Jahr der Padischach die Feiern anlässlich der Verfassung, womit der von Sultan Mecit an die Armenier Rechte zuerkannte, verbot, hat Herr Maksud es abgelehnt, sich für die Aufhebung dieses Verbotes einzusetzen. Seitdem wird er von provozierenden Armeniern gehasst.

Die armenischen Lastträger in Van, die versucht hatten ihn zu ermorden, hatten viel unter den Kurden und den türkischen Beamten in Van gelitten.

Zweifellos stehen wir hier einem politischen Mord gegenüber. Die Mörder trugen Dokumente und Briefe bei sich, die von den armenischen Aufständischen ausgestellt wurden. Sie wurden von einer Person Namens Levon engagiert, der ihnen versprach, sie für diese Tätigkeit zu bezahlen. Die Aufständischen haben diesen Personen Waffen gegeben und wollten damit nach dem Attentat auf den Patriarchen, den Türkenfreundlichen, mit Verrat gegen den nationalen Kampf beschuldigten Angehörigen der oberen Armenierschicht warnen. Mit dieser Bewegung wollten die Aufständischen nicht nur in den Provinzen, sondern auch bei der zentralen Regierung einflussreich sein, ihre Aktivitäten auf einem größeren Bereich ausbreiten und einen starken Einflss auf den Padischach ausüben.

Der Padischach war wegen des Attentats sehr aufgeregt. Die zahlreichen Verhaftungen seitens der Polizisten in Istanbul sind auch ein Beweis dafür.

P. Cambon"

Nach der Demonstration in Kumkapi wurde Murad (Hamparsum Boyaciyan) zum Vorsitzenden der Vertretung der Hintschak- Organisation in Istanbul. Zum Hintschak Vertreter wurde Vart Badrikyan, aus dem Kaukasus berufen. Badrikyan wurde nach ein paar Monaten verhaftet, doch da er russischer Staatsbürger war, wurde er durch Vorstöße der russischen Botschaft wieder auf freien Fuß gesetzt. Daraufhin wurde wieder aus dem Kaukasus, der Beauftragte Ardavazt Ohancanyan für diesen Posten berufen. Die Attentate wurden zur Zeit dieser Vertreter verübt. ( 1 )

Die Greueltat der Armenier an Armeniern besteht nicht nur aus diesen Attentaten. Die armenischen Aufständischen, versuchten Geld für die Aufstände zusammenzubringen und raubten zu diesem Zweck mehrere Armenier aus. Der berühmte Pantikyan, dessen eigentlicher Name Rezi Yalkin ist und eine wichtige Rolle beim Waffenstillstand gespielt hatte, übermittelte an M.Sifir die folgende Botschaft:

"In dieser Hinsicht möchte ich nachdrücklich betonen, dass die sachlichen Schäden, die die Armenier in verschiedenen Teilen Anatoliens bei Überfällen der Kurden und Türken erlitten, nicht mal ein Prozent der Gelder ausmachen, die die Hintschaks in Istanbul rauben. Die Komitadschis haben die Armenier in Istanbul in solchen Massen ausgeraubt. Zahlreiche reiche Menschen, waren auf einige Groschen angewiesen worden.

Diesen Raub mit Zahlen, die ausgeraubten Armenier mit ihren Namen und Verlusten anzugeben wäre hier von Nutzen, da es eine Lektion für die neue armenische Generation sein kann: Die Hintschak- Organisation hat in der Gegend von Bakirköy, Yedikule und Samatya, unter der Leitung des berühmten Unruhestifters, des Priesters aus Van, Murat Irakliyan, von den armen armenischen Händlern 22.000 Goldstücke einkassiert und vom Teppichhändler Karnik Sümbülyan 6.000, vom Textilhändler Nisan Sahpazyan 5.000 und vom den umherziehenden Lebensmittelhändlern 3.000 Goldstücke erbeutet.

Die Räuberei in den Stadtvierteln Yenikapi und Kumkapi war nicht anders. Alle Besitztümer der Kleinhändler wurden geraubt, die Kassen der wenigen Reichen wurden regelrecht ausgeleert. Wenn ich mich nicht irre, wurden aus diesen Stadtvierteln insgesamt 30.000 Goldstücke geraubt.

Diejenigen, die aus Galata und Beyoglu Schutzgelder erpressten, brachen den Rekord des Raubes. Nur von Istepan, einer der damaligen wenigen reichen armenischen Juweliere, hatten sie 30.000 Goldstücke erbeutet und aus diesem Stadtviertel insgesamt 100.000 Goldstücke einkassiert. Izmirliyan hatte auch das Patriarchat unter Kontrolle gebracht und zusammen mit fünf Geheimagenten des Komitees, Migir, dem Priester Murat Irakliyan, Musdic Kesisyan aus Aleppo und seinen Freunden wurden sie zu den erhabensten Persönlichkeiten dieser Zeit.

Die Komitadschis meinten, dass sie einen großen Teil dieser Gelder den Leuten im Palast gegeben haben. Doch dies entspricht nicht den Tatsachen. Denn als Murat Iraklýyan zehn Jahre nach diesem Raub in Sofia auftauchte, hat er mir von diesem Vorfall einschließ allen Einzelheiten erzählt, und dabei auch erwähnt, dass sein Anteil von 30.000 Goldstücken von Izmirliyan mit Gewalt weggenommen wurde. (2)

Dozent Dr. Hasan Oktay, Lehrkraft der Fachrichtung Geschichte, der Universität Yüzüncü Yil, hat im Zusammenhang mit den Greueltaten der Armenier an Armeniern eine interessante Feststellung gemacht:

"Im Anschluss an die politische Atmosphäre, die nach der Ausrufen der zweiten konstitutionellen Periode entstanden ist, wurde die Kommunalverwaltung in Van, Mitte 1909 an den Armenier, Bedros Kapamaciyan, einem Mitglied des Verwaltungsrates in Van, übergeben. Obwohl die Einwohner dieser Stadt hauptsächlich Moslems waren, wurde Kapamaciyan, ohne irgendwelche Unterschiede aufzeigend und mit Zuneigung aller Mitbürger gewählt und bekam, somit auch die Stimmen der Moslems. Durch die Wahlen wurden zwei Armenier zum Mitglied des, aus zehn Personen bestehenden Verwaltungsrates gewählt. Kapamaciyan hat das Volk während seiner Amtszeit zufriedengestellt, war aber immer gegen die Taschnak und Hintschak- Komitees, stand auf der Seite des Osmanischen Reiches und hat für das Wohlbefinden und den Wohlstand der in Van lebenden türkischen und armenischen Gesellschaft gesorgt. Während der Bürgermeister Kapamaciyan mit seiner ganzen Kraft für das Wohlbefinden und die Zukunft der Stadt arbeitete, führte das armenische Patriarchat eine Zusammenarbeit mit dem Taschnak- Komitee und organisierte in der Umgebung von Van einige Provokationen, um die Armenier- Frage in Europa aktuell zu halten.

Im Rahmen dieser Entwicklungen kam es im April 1912 in Van zu einigen Bränden, wobei auch einige armenische Häuser abbrannten. Der Patriarch forderte den Bürgermeister auf, die europäischen Botschaften über die Brände zu unterrichten. Mit anderen Worten verlangte er, dass der Bürgermeister mitteilte, dass die Moslems, jederzeit dazu fähig sind, die Eigentümer und das Leben der Armenier zu vernichten und dass die Moslems diese Vorfälle hervorgebracht haben. Der Bürgermeister Herr Kapamaciyan schrieb dagegen einen Bericht, in dem er erklärte, dass die Vorfälle seitens der Armenier verursacht wurden, und dass die Brandanschläge seitens des armenischen Taschnak- Komitees verübt wurden.

Die von aufständischen Armeniern jahrelang im Zentrum von Van mit großen Bemühungen durchgeführten Arbeiten wurden von Kapamaciyan erschwert, wonach beschlossen wurde, dieses Hindernis aufzuheben. Die Aufständischen stützten ihre Theorie auf eine armenisch-türkische Auseinandersetzung. Auf führende Armenier, die den Osmanischen Staat unterstützten und somit den Einfluss der Aufständischen schwächten, wurden Attentate verübt. So wollten die Aufständischen Angst auslösen und eine mögliche Opposition gegen ihnen verhindern.

Der Bürgermeister von Van bekam des öfteren Drohungen und als er am Abend des 10. Dezembers 1912 zusammen mit seiner Familie, zu einer Feier seines Verwandten Marcidciyan gehend sein Haus verließ, und in den Schlitten vor der Tür stieg, begann eine taschnakische Gruppe, die sich um das Haus versteckt hatte, auf ihn zu schießen. Der Bürgermeister wurde von zwei Kugeln an den Kopf getroffen und starb davon.

Da sich das Haus des Bürgermeisters in der Gegend Baglar befand, lag die nächstgelegene Polizeiwache zehn Minuten entfernt. Deshalb konnten die Mörder in der Dunkelheit entkommen, bevor die Gendarmerie am Tatort angekommen war. Die Gegend Baglar war, ein mit Weinreben und Gartenanlagen bebautes und hauptsächlich von den Armeniern besiedeltes Stadtviertel, wo sich auch zahlreiche Taschnaken aufhielten. Aus diesem Grund war es auch für die Mörder relativ einfach zu entkommen und sich zu verstecken.

Die Tatzeugen wurden verhört. Die Angaben und äußeren Merkmale der Täter standen langsam fest. Vor allem nach der Aussage des Sohnes des Bürgermeisters führten die Spuren darauf, dass Karakin und seine Freunde diesen Mord begangen haben könnten.

Dass die Tatverdächtigen bekannt waren, verhinderte einen Konflikt zwischen dem moslemischen und armenischen Volk. Durch rasche Operationen wurde Karakin verhaftet, doch seinem Komplizen gelang es zu entkommen. Der Fahrer Potur, der ebenfalls als Fahrer in das Attentat verwickelt war und wegen Waffenschmuggel in Van gesucht wurde Sarac Osep der Juwelier Karakin, sowie die Komplizen, die nach dem Mord ins Karagündüz Dorf flohen, wurden ebenfalls gefasst. Der seit der Tat vermisste Komplize des Mörders Karakin wurde später gefasst und verhaftet.

Es wurde beschlossen, Viramyan Efendi, den Kolumnisten der Zeitung Azadamart, den Anhänger des Taschnak- Komitees in Van herausgaben, Aram Manukyan, den Inspektor der Armenierschulen und Van- Verantwortlichen des Taschnak- Komitees und einige Führer des Taschnak- Komitees, wegen Mordes an dem Bürgermeister Kapamaciyan zu verhaften.

Die schnelle Festnahme des Mörders von Kapamaciyan, der unter den Armeniern sehr beliebt war, wurde vom Volk mit Freude aufgenommen, auch wenn dieser nicht ihre verdiente Strafe bekam. Da die Mörder Armenier waren, hat dieser Vorfall unter den Armeniern ein Bedauern ausgelöst. Es wurden entsprechende Maßnahmen für die Bestattung Kapamaciyans getroffen und man hat darauf geachtet, dass es dabei zu keinen Zwischenfällen kam. An der Bestattung nahmen von den ausländischen Missionsführern, die englischen, russischen und französischen Konsule teil. Darüber hinaus nahmen weder Militärs noch Mitglieder des Taschnak- Komitees an der Beerdigungsfeier teil. Somit hat das Taschnak- Komitee offen gezeigt, dass sie den Bürgermeister umgebracht hat, dies sollte eine Warnung an Freunde und Feinde sein.

Die aufständischen Taschnak Armenier waren in der Lage, ihre Mitmenschen gnadenlos zu ermorden, um somit an ihr Ziel zu gelangen. Die Aufständischen, die bereit waren, jede Art von Demonstrationen durchzuführen, um somit die günstige Basis für die Revolution zu schaffen, hatten ihre systematisch durchgeführten Studien mit Hilfe der Russen zu einem Ergebnis geführt und die Stadt Van vorläufig besetzt. Nachdem sich die Russen im Oktober 1917 durch die Bolschewistischen- Revolution zurückzogen, kam Van erneut unter die Herrschaft der Türken." (3)

Oktay zitiert zu den Greueltaten der Armenier an Armeniern die folgenden Sätze von Altan Deliorman:

"Während die Armenier auf der einen Seite ihre Aktivitäten in Anatolien weiterführten, ermordeten sie auf der anderen Seite die Armenier in Istanbul, die zwar dem gleichen Glauben angehörten, aber nicht auf ihrer Seite standen. Der Anwalt Hacik, Dacad Vartabet, der Priester der Gedikpascha- Kirche, der Kaufmann Karagözyan, der Öllampenverkäufer Onnik, Apik Uncuyan, der Polizist Markar, das Mitglied des Geistlichenrates Mampre Vartabet, Haci Dikran Migirdic Tütüncüyan sind nur wenige, von hunderten Armeniern, die von armenischen Aufständischen ermordet wurden." (4)

QUELLE:
(1) Uras, Esat: Armenier in der Geschichte und das Armenier Problem, Belge Verlag, Istanbul, 1987, Seite 469 -471

(2)Banoglu, Niyazi/ Ahmet, Gündüz: Druckerei, Ankara, 1976, Seite 24 -25

(3) Oktay, Hasan: www.ermenisorunu.gen.tr/makaleler

(4) Altan Deliorman: Die Armenischen Revolutionäre gegen die Türken, Istanbul, 1975, Seite 31.

Muhammed Resit Güleser
Seyh Cemal Talay
Salih Tasci
Bekir Yörük
Ibrahim Sargin
Ayse Sevimli
Haci Zekeriya Koc
Hikmek Saylik
Mehmet Saar
Kadriye Duran
Abdülbari Barlas
Sait Kaya
Yamin Tosun

ARMENISCHE MASSENMORDE GEGENÜBER DEN ASERBEIDSCHANER

Die Massaker der Armenier gegenüber den Türken fanden nicht nur in Anatolien, sondern auch in Kaukasien und in Aserbaidschan statt. Zu diesen Vorfällen, zitieren wir aus Dokumenten vor Prof. Dr. Fahrettin M. Kirzioglu:

"Im August 1919, überfielen die armenischen Einheiten insgesamt 45 Dörfer in der Umgebung von Nachitschewan und Serür und haben aus gepanzerten Eisenbahnwagen auf Dörfer in der Nähe der Eisenbahnstrecke geschossen.

Gegen Ende Mai 1920 vertrieben die Armenier die Einwohner des moslemischen Dorfes Karadagli, nahe Uluhanli bei Eriwan, aus ihren Häusern und plünderten sie aus.

In der Nacht auf den 24. Mai 1920 überfielen mehr als 300 armenische Kavalleristen das Dorf Cebecali, 5 km nördlich von Uluhanli, und erstachen alle moslemischen Erwachsenen mit Bajonetten.

In der Nacht auf den 27. Juni 1920 überfielen die Armenier die Dörfer Hacýbayram und Haberbegli in Eriwan plünderten die Eigentümer der Einwohner aus, ermordeten eine Vielzahl der Einwohner und die wenigen, die fliehen konnten, ertranken in dem Fluss Aras, als sie versuchten, den Fluss in südliche Richtung zu überqueren.

500 Moslems, die versuchten mit den Reisepässen, ausgestellt von dem aserbaidschanischen Botschafter in Eriwan, nach Aserbaidschan und in andere Orte zu reisen, wurden bei ihrer Reise nach Gence, in der Nähe von Gümrü aus den Zügen herunter geholt und ermordet.


Am 6. April 1920 überfielen die armenischen Einheiten die moslemischen Dörfer der Regionen Zengezor, Ordubad und Vedi und übten grausame Taten aus.

Sie überfielen in der Nacht zum 16. April 1920, das Dorf Hachaparak, 15 Minuten entfernt von Eriwan, und übten ein Massaker an den Moslems aus. 6 Männer, die versuchten diesem Massenmord zu entkommen, wurden mit Dolchen erstochen. Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt und danach verbrannt. Alle Häuser wurden ausgeplündert."

Die Greultaten der Armenier gegenüber den Aserbaidschanern fanden nicht nur während des Ersten Weltkrieges statt, wurden auch danach, zu der Zeit der Sowjetunion und auch nach der Auflösung der Sowjetunion während der Zeit der Armenischen Republik fortgesetzt. Yasin Aslan weist auf wichtige Dokumente in seinem Buch "Armenien, an der Historischen Kreuzung" hin.

Die Armenier veranstalteten am 13. Februar 1988 im Verwaltungszentrum von Berg Karabagh, der Stadt Hankendinde (Stepanakert) eine Demonstration. Sie verlangten, dass Berg Karabagh von Aserbaidschan getrennt und an Armenien übergeben werden sollte. Danach folgten weitere Forderungen. Am 18. Februar 1988 trafen die ersten aserbaidschanischen Flüchtlinge in Baku ein. Sie wurden jedoch mit Bussen zur Rückreise gezwungen. Die Flüchtlinge fanden in Sumgayit Zuflucht. Es kam hier zu einigen Vorfällen. Rund 180 bis 200 Tausend Aserbaidschaner wurden aus Armenier mit Gewalt vertrieben. Eine gleiche Anzahl von Armeniern wurde vermutlich auch aus Aserbaidschan vertrieben. Kurz gesagt, führten die Vorfälle seit 1988 dazu, dass mehr als 1 Million Aserbaidschanern zu Flüchtlingen wurden.

Die 1988 begonnenen Vorfälle bilden eigentlich den letzten Ring der Verbannungskette. Die Aserbaidschaner in Armenien wurden in der sowjetischen Zeit ein paar mal vertrieben worden. Arutunyan, Vorsitzender der Armenischen Kommunistischen- Partei, schrieb im Jahre 1945 in einen Brief an Stalin und forderte die Übergabe Berg Karabagh an Armenien. Stalin hingegen, sandte diesen Brief weiter an den Vorsitzenden der Aserbaidschanischen Kommunistischen- Partei, Mir Cefer Bagirov. Bagirov bekundete in seinem Brief an Stalin, dass die gesamte Bevölkerung von Schuscha (Susa) aus Aserbaidschanern besteht und dass diese Region weiter als ein Teil Aserbaidschans bleiben muss. Er unterstrich ferner, dass auch die Aserbaidschaner Bodenansprüche von Armenien haben. Diese Annäherung führte damals dazu, dass dieses künstlich entworfenes Problem zunächst bei Seite gelegt wurde.

Aber der Ministerrat der ehemaligen Sowjetunion, verbannte mit dem Beschlss- Nr. 4083 vom 23. Dezember 1947, die in Armenien lebenden Türken unter Bezeichnung als "Aserbaidschaner" auf die Kura-Aras- Ebene in Aserbaidschan. Der selbe Ministerrat ermöglichte mit dem Beschluss- Nr. 754 am 10. März 1948 die Umsetzung des vorherigen Beschlusses. Nach diesem Beschluss wurden die Aserbaidschaner aus Armenien vertrieben. Die Vertreibung wurde bis zum Tod von Stalin weitergeführt. In dieser Periode wurden insgesamt 150 Tausend Aserbaidschaner aus ihrem Vaterland vertrieben.

Am Anfang des Jahrhunderts wurden die in Armenien lebenden Aserbaidschaner auf verschiedenen Wegen zur Umsiedlung gezwungen. Im Jahre 1927 bestand 70% der Bevölkerung von Eriwan aus Aserbaidschanern. In diesen Jahren wurden 130 Tausend Aserbaidschaner verbannt und rund 100 Tausend Armenier aus den Nahostländern in Eriwan angesiedelt. Dies wurde auch in den folgenden Jahren weitergeführt. Den armenischen Historikern nach, waren am Anfang des vorigen Jahrhunderts, 2000 von insgesamt 2300 Dörfern in Armenien von Aserbaidschanern besiedelt. Nach 1936 wurden die aserbaidschanischen Ortsnamen geändert. Im Jahre 1991 wurden mit dem Befehl des armenischen Staatspräsidenten Levon Ter-Petrosyan, die Namen von 90 aserbaidschanischen Dörfern geändert. Die Umbenennung hatte zwischen 1960 und 1970 unter Leitung der stellvertretenden Präsidenten der Sowjetisch Sozialistischen Republik Armeniens, Hovanes Bagdarasyan begonnen.

Nach Verbannungen und Vertreibungen, die zwei Jahrhunderte anhielten, mussten 1,5 Millionen Aserbaidschaner ihre Heimat verlassen und sie wurden aus Armenien zur Auswanderung gezwungen. Die Verbannung wurde 1988 vollendet. Heute kann man in Armenien nicht einen einzigen Aserbaidschaner finden. 1988 machten die Armenier 88,6 Prozent der Bevölkerung in Armenien aus. Anfang des Jahrhunderts war die Fläche von Armenien 9 Tausend Quadratkilometer groß. Dank aserbaidschanischer Territorien expandierten die armenischen Territorien inzwischen auf 29,8 Tausend Quadratkilometer. Davon sind die in den letzten Jahren besetzten Gebiete ausgeschlossen.

Es ist Tatsache, dass sich der Druck Russlands und Armeniens auf Aserbaidschan verstärkt wurde. Aserbaidschan steht kurz davor, sich zu Libanon zu verwandeln. Die Gefahr der Teilung besteht weiterhin. Die Armenier halten zur Zeit immer noch den Lacin- Korridor, der Berg Karabagh und Armenien verbindet unter Kontrolle. 20 Prozent der aserbaidschanischen Territorien stehen unter armenischer Besetzung. Auf der anderen Seite rief Armenien im Mai 1922 die "Republik Kurdistan" in den Gebieten Lacin und Kelbecer aus.

Nach Angaben des ehemaligen Leiters des armenischen Dienstes im Rundfunksender Azadlig (Freiheit), Eduard Oganisyan, der zugleich Vorsitzender der Anstalt für russisch-armenische Beziehungen und einer der Führer der Partei Taschnaksutyun ist, unterzeichnete die armenische Regierung ein heimliches Abkommen über den Anschluss Armeniens an Russland.

Armenien versucht eine, ihm eigene Rolle im Gebiet zu spielen. Um den Inhalt dieser Rolle zu verstehen, braucht man nur Nachrichten in der russischen und armenischen Presse zu lesen.

Der Artikel von Artur Gevarkyan, geboren im Jahre 1963, Lehrkraft an dem armenischen Institut für Philosophie und Politologie, der in der Ausgabe 1993/4 der Zeitschrift "Nas Sovremennik" unter dem Titel "Turan anstelle der Sowjetunion?" erschien, ist aus mehreren Hinsichten interessant. Gevorkyan, der die Belebung vom "Dritten Rom" feuriger als ein Russe verteidigt, meint folgendes:

"Armenien Unterstützt Russland in der Kaukasus- Region und ist ein natürlicher und historischer Verbündeter. Die Armenier sperren den Pantürkisten den Weg, die zu der Dreier-Gruppe gehören, welche unter anderem aus Angelsachsern und Zionisten besteht. Der einzige Ausweg für christliche Länder, wie Russland, Armenien, Georgien und Serbien ist die Belebung des "Dritten Römischen Reiches".

Einige russische Funktionäre behaupten, dass die Kaukakus Region in einem Feuerkreis gehalten werden muss um die Region von äußeren Einflüssen zu schützen. So werden Länder wie die Türkei und der Iran sich nicht in dieses Gebiet wagen. Ein Artikel von Vadim Simburski, der im April 1994 in der Zeitung Segodnaya erschien, ist ein gutes Beispiel dafür. Simburski fasst seine Gedanken wie folgt zusammen:

"Die Kaukasus- Region ist die einzige Region, die eine direkte Gefahr für die Interessen von Russland bildet. Es steht im Interesse Russlands, dass es im Gebiet kleine Reichtümer wie "Aserbaidschan" und "Georgien" gibt, die weiterhin als ein nationaler Staat bleiben wollen. Im Gebiet gibt es revolutionäre Mächte, die die Interessen Russlands schützen werden. Aus diesem Grund muss die "stabile Instabilität" gewahrt werden. Diese seit Jahren gewahrte instabile Lage verhindert die Eingriffe der Türkei und des Iran. Andauernde kleine Konflikte stehen im Interesse von Russland. Denn diese Lage wird zu einem Feuerkreis beitragen, der die Türkei daran hindert, in das Gebiet zu gelangen.

Ungeachtet dieser Lage im Westen des Kaspischen- Meeres, muss Russland es im Osten des Kaspischen- Meers, die Stabilität gewährleisten. Denn Kasachstan ist ein halb russisches Gebiet. Kasachstan muss zu einer Sicherheitszone verwandelt werden, die die südlichen Grenzen Russlands schützt.


Odenburg wird zur Verbreitung von Mittelasien offen sein. Aus diesem Grund muss Russland alles in seiner Macht stehende tun, um Kasachstan und die mittelasiatischen Länder zu einer sicheren Zone im Inland zu verwandeln."

Vazgen Manukyan, der zwischen 1992-1993 Verteidigungsminister von Armenien war und zur Zeit inoffizieller Führer der Opposition ist, hat bei einem Interview im April 1994, in der Zeitung Nezavisimya bekundet, dass es an der Zeit sei, zwischen der Berg Karabagh und Aserbaidschan einen Föderationsstaat zu gründen.

Das Angebot von Andronik Migranyan, politischer Berater des russischen Staatspräsidenten Jelzin und Mitglied des Präsidentschaftsrates, ist von vielen Hinsichten aus sehr interessant. Migranyan hat in einem Interview für die Zeitung Nezavisimaya, im Januar 1994 vorgeschlagen, dass ein föderativer Staat zwischen Aserbaidschan und Georgien gegründet wird. Er behauptete weiter, dass ein föderatives Aserbaidschan und Georgien ohne Russland nicht leben könne. Er erklärte weiter, dass Armenien, an der Südgrenze von Russland, zu einem Stabilitätsfaktor umgewandelt werden müsse.

Auch Levon Schirinyan stellte die gleiche Behauptung in der Zeitung Azatamart. Schirinyan und behauptete, dass Nachitschewan an Armenien zurückgegeben werden solle. Diese Beispiele können vervielfacht werden. Sie weisen darauf hin, aus welchen Zentren diese Vorfälle gelenkt werden.

Diejenigen, die versuchen eine Annäherung zwischen der Türkei und Armenien zu verhindern und dagegen offen propagandieren sind die Anhänger der Daschnaksutyun- Partei und Zweigorganisationen, die Anhänger von Moskau, Berater wie Ambatsumov (Ambartsumyan), Migranyan, Kurginyan, die zuvor Gorbatschow und danach Jelzin nahe standen sind, die Armenier, die an der russischen Regierung teilnehmen und insbesondere der armenische Diaspora.

Eine Nachricht die von der Daschnaksutyun Partei am 7. Dezember 1993 unter der Bevölkerung verbreitet wurde, um Panik auszubreiten, ist ein gutes Beispiel hierfür. Die Nachrichtenzentrale der Daschnaksutyun Partei verbreitete die Auskunft, dass die türkische Armee einen Raketenangriff, insbesondere gegen das Atomkraftwerk Medzamor und auf weitere Ziele in Armenien starten werde. So hieß es in der Nachricht, die Türkei wolle ihre Angriffe damit gerechtfertigten, dass die PKK- Terroristen in Armenien aktiv sein. Dem Vorsitzenden der Nachrichtenzentrale Bagrat Andronik nach, würde die Türkei die Angriffe aus Nachtschewan leiten.

Antitürkische Nachrichten machen einen wichtigen Teil der Meldungen in der armenischen und russischen Presse aus. In diesen Artikeln wird versucht, die Bevölkerung mit dem so genannten "Türkischen Faktor" einzuschüchtern. Ausdrücke wie "Der erweckende Riese", "Der erwachende Löwe", "Todesengel der Sowjetunion", "Der Osmanische Geist erwacht" und "Einer der Zwei Säulen des künftigen Reiches" werden häufig benutzt. Der armenische Politikwissenschaftler Andronik erläutert diese Artikel wie folgt:

"Armenien, Russland und Iran könnten eine Vereinigung der Türkei mit Aserbaidschan und Mittelasien verhindern. Armenien und der Iran müssen zu einem Faktor zur Hinderung dieser Einheit werden."

Armenien spielt seit einigen Jahrhunderten eine wichtige Rolle in der russischen Außenpolitik. Armenien ist ein Fernposten von Russland gegen die türkische und islamische Welt. Aber die russischen Nationalisten nähern sich seit einigen Jahren der Türkei an und kritisieren die Eingriffe Armeniens auf aserbaidschanischen Territorien. Ein Teil der russischen Nationalisten betrachtet nun Armenien als eine Last auf der Schulter Russland.

Nach Moskauer- Zeitungsberichten, trägt Russland 57 Prozent des Haushaltsbetrages von Armenien. Es scheint nicht möglich, dass Armenien einen solchen umfangreichen Krieg ohne Unterstützung aus dem Ausland weiter führen kann. Der Vorsitzende des aserbaidschanischen Parlaments, Resul Guliyev erklärte gegenüber eines russischen TV Senders, dass Armenien nicht in der Lage sei den Krieg noch fünf Jahre weiterzuführen, wenn es keine ausländische Unterstützung erhalten sollte. Nach Guliyev ist Armenien nicht in der Lage einen einzigen weiteren Panzer zu kaufen. Die Unterstützer von Armenien sind die im Ausland lebenden Armenier, einige westliche Staaten und einige Mitgliedsstaaten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS).

In der Ausgabe 1992/13 der Moskovski Novosti Zeitung wurde behauptet, dass nach dem Rückzug Russlands aus der Kaukasus- Region, das Gleichgewicht gestört und die Region unter Einfluss der Türkei geraten wird.

Der Bericht des Gorbatschow Fonds zum Thema Berg Karabagh weist daraufhin, dass ein solch großer Staat wie Russland aus vielen Gründen Armenien nicht mehr braucht. Armenien sei nur ein freiwilliger Verbündeter Russlands. Die folgende Zeile aus dem Bericht ist sehr wichtig: "Die historische Vergangenheit der russisch-armenischen Beziehungen zwingt Russland, Armenien zu unterstützen."

Die Armenier sind sich diesem Bewusst und versuchen die Situation möglichst bestens auszunutzen. In einem Artikel in der Zeitung Azatamart betonte Levon Schirinyan folgendes:

"Kein Zweifel, Russland wird in der nahen Zukunft das mächtigste Land im Kaukasus sein. Länder, wie auch die Vereinigte Staaten von Amerika, haben bis heute versucht, Russlands Interessen im Gebiet herauszufordern. Die Tatsache, dass Russland Osteuropa verloren hat, zwingt es zu einer strategischen Annäherung im Süden zu den Armeniern. Armeniens Aufgabe ist, Russlands politische Manöver im Gebiet sehr gut zu beobachten und diese möglichst gut auszunutzen. Eine Zusammenarbeit im Rahmen der Gemeinschaft Unabhängiger- Staaten und gute gegenseitige Beziehungen müssen erstellt werden. Sonst wird ein anderes Land oder ein anderer Partner, die Stelle des schwachen Armeniens einnehmen".


Seit mehr als 70 Jahren, stützte sich die Türkei- Politik Armeniens auf die Behauptung, dass die Türken 1,5 Millionen Armenier ermordet haben und die Propaganda um die Wiedergewinnung der Flächen im Nordosten der Türkei, die mit dem Vertrag von 1921 der Türkei überlassen wurden. In allen Parteiprogrammen der armenischen Parteien steht es fest, dass diese Flächen wiedergewonnen werden müssen, und dass die Türkei zu einer Entschuldigung für die Ermordung der Armenier während des Osmanischen Reiches gezwungen werden muss. Wie bekannt hat "Die geheime Armee zur Befreiung Armeniens", kurz ASALA genannt, zwischen den Jahren 1974-1985 45 türkische Diplomaten und deren Familienangehörige getötet.

Nachdem die Armenische Volksbewegungspartei von Ter-Petrosyan 1990 zur Macht kam, entstanden wichtige Änderungen in der Türkei- Politik Armeniens. Im Rahmen der Vorstöße zur Trennung von der Sowjetunion versuchte Armenien mit der Türkei und dem Iran Handelsbeziehungen aufzunehmen. Die neue Perspektive kam auch in der im August 1990 veröffentlichten Unabhängigkeitserklärung zum Wort. In der Erklärung wurde der angebliche Völkermord wieder erwähnt, jedoch von einem Anspruch auf Boden wurde nicht gesprochen.

Der Zerfall der Sowjetunion gefährdete die Annäherung in der sensiblen türkisch-armenischen Beziehungen. Dass, die Türkei als erstes Land die Unabhängigkeit Aserbaidschans anerkannte, beeinträchtigte ebenfalls diese Beziehungen.

Im November 1992 besuchte eine Delegation der armenischen Regierung die Türkei. Die Türkei hatte vier Bedingungen für die Erweiterung der Beziehungen gestellt:

1. Armenien muss die vorhandene Grenze zwischen der Türkei und Armenien anerkennen,
2. Armenien muss seine internationale Propaganda, über den angeblichen Völkermord von 1915 aufgeben,
3. Armenien darf sich nicht in die inneren Angelegenheiten der Türkei einmischen (Dabei wurde insbesondere die Unterstützung Armeniens für die PKK in Betracht genommen)
4. Armenien muss in Berg Karabagh mit den Bedingungen Aserbaidschans einen Waffenstillstand annehmen.

Die Parteien hatten sich über die ersten drei Artikel geeinigt und die Energieminister beider Länder hatten sogar einen Protokoll für den Stromverkauf aus der Türkei nach Armenien unterzeichnet. Doch konnte der damalige türkische Außenminister weder die Regierung Aserbaidschans noch die Opposition in der Türkei, von der Bedeutung des Inhalts dieses Protokolls überzeugen. Aus diesem Grund konnte die Türkei das Protokoll nicht umsetzen. Dies war ein großer Schlag für die armenische Regierung, die unter Energiemangel litt. Wie bekannt, importiert Armenien 96 Prozent seines Energiebedarfs. Armenien importierte 80 Prozent seines Erdgasbedarfes aus Aserbaidschan. Im Herbst 1991 stoppte Aserbaidschan jedoch die Erdgaslieferung nach Armenien. Aus diesem Grund musste Armenien aus Türkmenistan Erdgas kaufen. Die Erdgasleitung führt in Georgien durch ein, früher Borcali, jetzt Marneuli genanntes Gebiet, wo Aserbaidschaner leben. 1995 wurde die Rohrleitung mindesten 10 mal sabotiert.

Die Öffnung des türkischen Flugraums für Flüge nach Armenien wurde als ein Versuch zur Erstellung eines Gleichgewichtes, im Gegensatz zu ihren Hilfen für Aserbaidschan bewertet.

Während die Weltöffentlichkeit mit dem russischen Angriff in Tschetschenien beschäftigt war, übte der Staatspräsident Levon Ter-Petrosyan eine politische Säuberungsaktivität aus, nachdem er sich von dem Berg Karabagh- Ausschuss trennte und die Führung der Armenischen- Nationalen- Volksbewegung übernahm. Wie bekannt, befahl Gorbatschow die Verhaftung der 11 Mitglieder des Berg Karabagh Ausschusses, unter welchem sich auch Levon Ter-Petrosyan befand.

Am 28 Dezember 1994 verbot Levon Ter-Petrosyan mit einem einzigen Befehl die Aktivitäten der "Daschnaksutyun- Partei", die als die Armenische- Revolutionäre- Föderation bekannt war. Außerdem ließ er viele Organisationen und Zeitungen der Daschnaksutyun- Partei schließen.

Nach seiner politischen Säuberungsaktivität sagte Ter-Petrosyan im Fernsehen, dass die Daschnaksutyun Partei in Drogenschmuggel verwickelt gewesen war, dass diese Partei politisch motivierte Morde verwirklichte und 50 Mitglieder der terroristischen Organisation DRO aufgenommen hatte. Er teilte ferner mit, dass die DRO eine Gefahr für die Staatssicherheit sei, und dass die DRO- Spionage Aktivitäten gegen geheime Information der Streitkräfte führte.

Diese Initiativen von Ter-Petrosyan waren keine Überraschung. Er führte seit langer Zeit einen Kampf gegen die Daschnaksutyun- Partei. Zum Beispiel verbannte er im Juni 1992 erneut den Führer dieser Partei, den Hrair Marukyan nach Griechenland.

Der Parlamentssprecher Babken Ararksiyan, bekundete bei seiner Bewertung der politischen Säuberungsaktivitäten von Ter-Petrosyan, dass die Demonstrationen in der Führung der Daschnaksutyun- Partei eine Gefahr für das Land seien.

Das Verfassungsgericht verbot mit der Begründung, dass eine politische Partei keine Zweigstellen im Ausland öffnen und auch keine ausländischen Mitglieder in der Führung haben kann, verbot die Aktivitäten der Daschnaksutyun- Partei vorläufig. Obwohl die Führer der Partei Armenier sind, haben die meisten von ihnen eine andere Staatsbürgerschaft. Eine doppelte Staatsangehörigkeit ist bis heute in Armenien nicht erlaubt. Die Daschnaksutyun- Partei hat viele armenische Mitglieder, die in verschiedenen Ländern leben und auch Zweigstellen in Ländern, wo Armenier leben. Die Parteizentrale liegt in Athen.

Die Daschnaksutyun ist nicht die einzige Partei, die nach dem Zerfall der Sowjetunion nach Armenien zurückgekehrt ist. "Ramgavar Azatakan" (Liberale Demokraten) kehrten auch zurück. Diese Partei verfolgt eine mehr mittelmäßige Linie. Die Daschnaksutyun- Partei ist mehr nationalistisch eingestellt und stellt sich gegen viele Meinungen der Regierung.

Die Daschnaksutyun Partei, deren Aktivitäten verboten wurden, hatte zuvor die Absicht, als ein Teil der linken Parteien bei den Wahlen teilzunehmen. Dieser Block kam aus Gruppen zusammen, unter denen sich auch die Berg- Karabagh- Armenier- Gruppe, die Union der Intellektuellen, die Union der Verfassungsrechtler und die Erbensbewegung befanden. Aber der zentrale Wahlausschuss hat dem linken Block die Teilnahme bei den Wahlen nicht erlaubt. Auch die Monarchie Partei und die Partei der Armenischen Frauen durften bei den Wahlen nicht teilnehmen.

Ter-Petrosyan nahm an den Wahlen, zusammen mit 5 Partien, des "Republikanischen Blocks" teil. Die Teilnahme der Bevölkerung an den Wahlen lag bei rund 55 Prozent. Der republikanische Block gewann 114 Sitze und damit auch die Mehrzahl im Parlament. Die Schamiran- Frauenbewegung erreichte den zweiten Platz. Die Armenische Kommunistische Partei hat den von ihr erwarteten Erfolg nicht erreicht. Der Stellvertretende Staatspräsident Gagik Harutunyan, teilte bei seiner Erklärung über die Erfolglosigkeit der radikalen nationalen Front mit, dass diese Parteien kein gutes Programm hatten und auch egoistisch gehandelt haben. Aber die Umfragen vor den Wahlen zeigten auf einen mindesten 20 prozentigen Anteil für die Kommunisten an der Regierung.

Armenien befindet sich zur Zeit in einem der schlechtesten Perioden seiner Geschichte. Das Volk ist in Armut. Der Mindestlohn der Rentner liegt unter einem Dollar. Nach den Zahlen des Staatlichen Institutes für Statistik, beträgt das durchschnittliche Einkommen ca. 2,5 Dollar. Auf der anderen Seite deuten die Zahlen des Zentralen Wahlausschusses für die Jahre 1991-1994 daraufhin, dass die Zahl der Bevölkerung in den letzten 3 Jahren um 30 Prozent gesunken ist. Das heißt, seit 1993 haben ca 1 Millionen Armenier das Land verlassen. Die Armenier in Berg Karabagh fliehen. Die Zahl der nach Russland und in den Westen ausreisenden Armenier nimmt zu. Nach den Worten von Georg Pogosyan, Vorsitzender des Armenischen Institutes für Soziologische Forschungen sind 70 Prozent der Bevölkerung Armeniens potentielle Aussiedler. Diese Tatsache hat seine eigenen sozialen und politischen Gründe. Armenische Zeitungen haben die Resultate einer soziologischen Forschung unter den Aussiedlern zwischen 1993-1994 durchgeführt und veröffentlicht. 45 Prozent der Teilnehmer beschwerten sich über die Handlungsweise der Polizei und der selben Ämter, 24 Prozent wiesen auf soziale-ökonomische Gründe hin und 12 Prozent meinte, dass sie das Land verlassen haben, weil eine Gelegenheit für freien Handel nicht vorhanden war.

Das von Armenien in Berg Karabagh und teilweise auch in Aserbaidschan geführter Krieg und das Embargo der Türkei und Aserbaidschans wegen des Krieges, hat eine negative Wirkung auf das Leben im Land.

Armenien versucht seine Beziehungen mit seinen Nachbarn, insbesondere mit Georgien, sowie als auch mit Russland und dem Iran zu verbessern. Die Zusammenarbeit zwischen Russland und Armenien zeigt sich fast auf allen Gebieten.

Obwohl der Kalte- Krieg vorbei ist, wird der geopolitische Krieg noch fortgeführt. Wegen der Schwächung Russlands, der Arbeiten der westlichen Ölkonzerne im kaspischen Becken und der Zunahme nationalistischer Bewegungen bildet sich im kaspischen Becken ein besonderes internationales System.

Es ist kein Zufall, dass der russische Verteidigungsminister Grachov, anstatt der Front, Armenien und Georgien besuchte, während die russische Armee einen Angriff auf die strategischen Punkte in Tschetschenien, nämlich Argun, Schali und Gudarmes verübte. Grachov besuchte, sowohl die russischen Truppen in den hiesigen Ländern führte, auch militärische Zusammenarbeitsgespräche mit den Regierungen dieser Länder. Es ist an dieser Stelle in Erinnerung zu bringen, dass Russland während seines Angriffes auf Tschetschenien von seinen Militärstützpunkten in Armenien und Georgien Gebrauch machte. Der Vertrag zu den russischen Militärstützpunkten in Armenien wurde im März 1995 erneut unterschrieben.

Obwohl in Russland ein gewisser Hass, gegen die Völker der Kaukasus- Region herrscht, sehen einige radikale nationalistische russische Organisationen Armenien als einen wichtigen Verbündeten. Radikale nationalistische Russen betrachten Armenien als ein antitürkisches und anti-islamisches Schutzschild. Armenien ist ein Mittel für Russland um die Türkei aus dem Kaukasus und aus Aserbaidschan zurückzuhalten.

Armenien muss den ersten Schritt machen, um seine Probleme mit seinen Nachbarn zu lösen, insbesondere, die mit der Türkei und Aserbaidschan. Bewaffnete armenische Banden müssen die besetzten Territorien Aserbaidschans verlassen und das Berg Karabagh- Problem muss im Rahmen der territorialen Integrität Aserbaidschans gelöst werden. Die heutige Situation ist weit entfernt von einem sogenannten "Recht auf Selbstdetermination". Die Armenier bezeichnen Karabagh nicht nur als ihr eigenes Land, sondern bezeichnen es auch als "Drittes Armenien". Der Artikel von Levon Schrinyan, der in der Zeitung Azatamar erschien, ist ein gutes Beispiel hierfür. Schrinyan behauptet, dass in der Umgebung von Armenien 20 Millionen Kurden mir der Idee zur Gründung eines Nationalen Staates leben, und dass es in der Zukunft zu weiteren und schlimmeren Vorfällen kommen wird. Es ist nicht möglich mit solchen Gereden zu einem Ergebnis zu kommen. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass auf Hass beruhende Politik nichts bringt und auch in der Zukunft nichts bringen wird. Aus diesem Grund muss Armenien mit gesundem Menschenverstand handeln und Beitrag zu der Stabilität leisten.

Die Türkei liegt im Fokus der Welt und ist ein Stabilitätsfaktor im Gebiet. Die Pravda Zeitung, deutete darauf hin, dass die Länder, die Interesse am Kaukasus und in Zentralasien haben, sowohl den Iran als auch die Türkei berücksichtigen müssen. Nach der Pravda ist die Türkei mit ihren Möglichkeiten für Investitionen, ihrer modernen Technologie, ihrem säkularen System ein Vorbild für die Staaten des Kaukasus und Zentralasiens. Insbesondere nach dem Zerfall der Sowjetunion seien viele westliche Staaten sich nun der neuen geopolitischen Lage und der wichtigen Rolle der Türkei bewusst.

Nach der Financial Times Zeitung bewerten die westlichen Staaten die Türkei als ein Politischen- und Handelszentrum im Osten des Mittelmeers, als einen Stabilitätsfaktor in Kaukasien und Zentralasien. Alle europäischen Staaten und die USA bewerteten die Türkei als eine "Regionale Macht" und ein "Säkulares Demokratisches Model". Der Financial Times nach ist die Türkei ein Stabilitätselement von der Balkan- Region bis zum Kaukasus, vom Nahen Osten bis Zentralasien.

QUELLE:
1. Kirzioglu, M. Fahrettin: Kars Ili ve Cevresinde Ermeni Mezalimi (1918 - 1920) / Armenian Oppressions in the Kars Province and its Environs (1918 - 1920), KÖKSAV Yayinlari / KÖKSAV Publications, Ankara, 1999.

2. Aslan, Yasin: Ermenistan Tarihi Yol Ayiriminda / Armenian History at the Cross Road., Ankara, 1997.

3. Ermeni Alimleri ve Feryat Koparan Taslar / Armenian Scholars and the Stones That Create Screams (Rusca - Russian) 1902, p. 80 - 123.

4. AFP, 6. 5. 1994.

5. Azerbeycan Sovyet Ansiklopedisi IV / Azerbaijan Soviet Encyclopaedia IV, page 81 - 82, Azerbeycan Gazetesi / Azerbaijan Newspaper, 11. 3. 1994.

6. Moscow News, 11. 12. 1993, Nr. 46, ITAR - TASS, 31. 8. 1993.

7. Nezavisimaya Gazeta, 8. 4. 1994, Nezavisimaya Gazeta, 18. 1. 1994.

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9. Nas Sovremennik (Muasirimiz) Magazine 1993 / 4 issue.

10. Segodnaya (Bu Gün / Today) Newspaper, 9. 4. 1994.

11. Nezavisimaya Gazeta, 8. 4. 1994.

12. Nezavisimaya Gazeta, 18. 1. 1994.

13. Azatamart Newspaper, November 2 - 8, 1993.

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20. Soviet Analyst, May 15, 1991 nu. : 10.

21. Neue Züricher Zeitung, February 9, 1993.

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24. Segodniya, June 28, 1995.

25. Segodniya, July 13, 1995.

26. ITAR - TASS, November 27, 1994.

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